Auf einen Blick: Am 24.10.2026 um 16 Uhr startet im Raum für gute Arbeit in Berlin die erste von vier Gruppenausstellungen der Reihe „Das Private ist politisch“. Bis zum 06.01.2027 zeigen Künstler:innen in Lesung, Klang, Fotografie, Collage und Malerei, wie FLINTA* Arbeit, Care und Selbstbehauptung erleben. Ausstellung 2 bis 4, drei Praxisworkshops mit Hörstück und Filminstallation, drei kuratierte Filmabende sowie eine raumgreifende Installation folgen bis November 2027. Die performative Lesung „Der weiße Raum“ und der Audioloop „Gut gemacht, Mädels“ und sind bei jeder Vernissage zu erleben.
Erschöpfung nach der doppelten Schicht, eine Stimme, die im Meeting überhört wird, der leise Zweifel an der eigenen Belastbarkeit: Viele Frauen tragen solche Erfahrungen allein mit sich. Die Ausstellungsreihe „Das Private ist politisch – Weibliche Erfahrungswelten im Arbeitsleben“ macht daraus einen gemeinsamen Resonanzraum. Am 24. Oktober 2026 beginnt sie im Raum für gute Arbeit in Berlin mit der ersten von vier Gruppenausstellungen.
Initiatorin Heike Sohna, Gründerin und Geschäftsführerin von SEQUOYA, erklärt die Idee so: „‚Das Private ist politisch‘ bedeutet heute: Wir müssen diese Erfahrungen aus der Vereinzelung holen. Indem wir das aussprechen, entlasten wir – und schaffen den Boden für echte Veränderung.“
Ausstellung 1: Wenn Erfahrung eine Stimme bekommt
Die Auftaktschau verbindet Sprache, Klang, Bild und Farbe. Den Anfang machen die Stimmen. Seher Gül und die Schauspielerin Beate Kampel führen um 18 und 20 Uhr die performative Lesung „Der weiße Raum – Keine Zeit zu(m) Schweigen“ auf. Der Text wirkt wie ein Traum und blickt in das Seelenleben einer Frau, zwischen gesellschaftlichen Anforderungen, Isolation und Sehnsucht. Sie begleitet als wiederkehrendes Element jede Vernissage der Reihe.
Dieser Innenschau antwortet ein Chor. In Anne Hoffmanns 27-minütigem Audioloop „Gut gemacht, Mädels“, der bei jeder Ausstellung zu hören ist, sprechen zehn Kolleginnen über Frauenbilder. Es geht um den Körper als Arbeitsmaterial und prekäre Verhältnisse in der Freien Szene. Aus diesen zehn Perspektiven entsteht ein gemeinsamer Befund.
Wie viel Fürsorge in einem einzigen Berufsleben steckt, zeigt Charlotte Wagner. Ihre Fotoserie „Hangar 2″ porträtiert ihre Mutter, die als Psychologin in der Geflüchtetenunterkunft Tempelhof arbeitet. Gemeinsam machen sie das Spannungsfeld sichtbar, in dem die Mutter sich täglich bewegt: zwischen enger werdenden Asyl- und Sozialsystemen, hohem professionellem Anspruch, prekären Verträgen und der Care-Arbeit, die zu Hause weitergeht. Die Bilder zeigen Arbeitsumfeld und Müdigkeit, vor allem aber eine Frau mit Kompetenz und Haltung. Zugleich sind sie ein Dank der Tochter.
Die Collage von Jutta Loch „Japanerinnen beim Reispflanzen“ wechselt den Ton zu Ironie und Vision. Auf einer Schultafel setzen neun Frauen lebensgroße Männer von Adam bis heute in den Boden. Ihr Lächeln liest sich als Genugtuung und lädt zum Mitlächeln ein.
Mit ihren vier Acryl- und Mixed-Media-Gemälden lenkt Katja Kühn den Blick nach innen. Die Serie „Stress vergeht“ macht Mental Load, Anpassung und Wut sichtbar, jene Schichten hinter dem Funktionieren. Damit schließt sich der Bogen zur Leitidee der Reihe: Was als individuelle Überforderung erlebt wird, hat strukturelle Ursachen.
Ausblick: Weitere Ausstellungen, Filme und eine Installation
Die Reihe führt den Dialog rund um Erfahrungen von FLINTA* im Arbeitskontext fort, mit jeder Station aus einem neuen Blickwinkel. Zwei Arbeiten begleiten alle Vernissagen und Ausstellungen: der Audioloop „Gut gemacht, Mädels“ und die Lesung „Der weiße Raum“.
Zu den Terminen zeigt Patricia Woltmann ihre Trilogie „Precarious Terrains“. Die Videoarbeiten „dissolve“, „(dis)appear“ und „arc“ erzählen von Verlust und Erneuerung. Im Kontext der Ausstellungsreihe interessiert Woltmann, wie sich gesellschaftliche Bedingungen in unseren Körpern und unserem Verhalten einschreiben. Rückzug, Anpassung und Unsichtbarkeit entstehen auch im Verhältnis zu äußeren Erwartungen, Begrenzungen und Machtverhältnissen. Die Frage: Wie bewegen wir uns darin, welche Formen des Widerstands werden möglich und wie eröffnen sich neue Handlungsspielräume.
Ausstellung 2 (08.01.–31.03.2027) richtet den Blick auf Strukturen der Arbeit. Britta Brugger porträtiert die Frauen der Kreuzberger Druckerei Hinkelsteindruck, ein selbstverwaltetes Kollektiv und Vorbild für bessere Arbeit. Cristina Carrillo liest in „(all genders)“ eine Stellenanzeige als Dokument, das Frauen in jeder Lebensphase anders disqualifiziert. Katya Craftsova erforscht, wie politische und ökonomische Systeme den Alltag prägen.
Ausstellung 3 (03.04.–27.06.2027) widmet sich Körper und Schaffenskraft. Nebel Eich nutzt die Malerei als Instrument der Selbstreflexion. Anne Goldmann zeigt Hände als Werkzeuge und Zeuginnen von Care- und Erwerbsarbeit. ROOSTERFIELDT erzählt mit „Fleißiges-Bienchen“-Stickern von den selbstverständlich gestellten Erwartungen an berufstätige Frauen.
Ausstellung 4 (29.06.–19.08.2027) fragt nach Ordnung und Absicherung. Karlotta Bahnsen untersucht die Ästhetik des Dokuments. Britta Brugger porträtiert in „Nichts ist sicher“ fünf Frauen und ihre Geschichten.
Der erste von drei Praxisworkshop findet im Juni 2027 statt. Unter dem Titel „Mental Load im Blick – Verantwortung fair gestalten“ verbindet er Kunst und Selbstwirksamkeit. Katrin Nowak, Oona Kastner und Barbara Bechtloff zeigen dort ihr Hörstück mit Filminstallationen „2X CHROMOSOMA – Frauengeschichten“. Siebzehn Frauen erzählen darin, woher sie kommen, wo sie stehen und wohin sie wollen, begleitet von Bildwelten der Fotografin Barbara Bechtloff. Im anschließenden Publikumsgespräch geht es um die unsichtbare Denk-, Organisations- und Sorgearbeit, die den Alltag und die Karrierewege vieler Frauen prägt.
Drei kuratierte Filmabende im Yorck-Kino Berlin erweitern die Reihe um bewegte Bilder aus feministischen Filmen und Dokumentationen zwischen März und Juni 2027. Im Anschluss an die Filme finden jeweils moderierte Publikumsgespräche statt.
Einen weiteren Höhepunkt bildet die Installation „Panic Room – Applaus for a Cause“ von Philip Kojo Metz. In einer Kabine wird ein Schrei hörbar und über ein Applausometer messbar. Die Arbeit fragt: Wie laut muss ein Mensch werden, um gehört zu werden? Damit bündelt sie die Leitidee der Reihe in einem Moment: Aus einem privaten Gefühl wird eine öffentliche Antwort. Ort und Termin werden noch bekannt gegeben.
Kunst, Dialog und Praxis
„Das Private ist politisch“ versteht sich als Beitrag zu einem langen Kontinuum feministischer Auseinandersetzungen.
„Als Coachingagentur verbinden wir in dieser Reihe Kunst, Dialog und Praxis“, so Heike Sohna.
Kunst macht sichtbar und fühlbar, wofür oft die Sprache fehlt. Dialog setzt unterschiedliche Erfahrungen miteinander in Beziehung. Coaching und Training übersetzen Erkenntnis in Entscheidungen, mutige Gespräche und solidarische Bündnisse, auch in Organisationen. Die Reihe will keinen Ort für fertige Antworten schaffen. Sie öffnet einen Raum „für Widerspruch und Resonanz, für Erkenntnis und Veränderung – und nicht zuletzt für Kollaboration und Kooperation.
Herzlich willkommen zur Auftaktvernissage
Feiere mit uns am 24. Oktober 2026 um 16 Uhr im Raum für gute Arbeit in Berlin. Komme mit den Künstler:innen ins Gespräch, erlebe die Lesungen und nimm neue Perspektiven mit. Alle Details auf der Projektseite.
Alle Künstler:innen der Gesamtschau
Ausstellung 1: Seher Gül · Beate Kampel · Anne Hoffmann · Charlotte Wagner · Jutta Loch · Katja Kühn
Ausstellung 2: Britta Brugger · Cristina Carrillo · Katya Craftsova· Patricia Woltmann
Ausstellung 3: Nebel Eich · Anne Goldmann · ROOSTERFIELDT · Patricia Woltmann
Praxisworkshop „Mental Load“ (Juni 2027): Katrin Nowak · Oona Kastner · Barbara Bechtloff
Ausstellung 4: Karlotta Bahnsen · Britta Brugger · Patricia Woltmann
Kuratierte Filmabende: Ankündigung folgt
Installation: Philip Kojo Metz
