Auf einen Blick: Ein neuer Beitrag der SEQUOYA-Serie „Wirklich weiterkommen“ mit Tipps für Karriere, Persönlichkeit und berufliche Entwicklung. Das Thema: der Quereinstieg. Mehr als vier von zehn Fachkräften in Deutschland haben bereits einmal das Berufsfeld gewechselt. Unternehmen öffnen sich zunehmend für Bewerbende ohne einschlägigen Abschluss, weil Soft Skills und übertragbare Erfahrung an Gewicht gewinnen. Wer den Wechsel gezielt vorbereitet, verbessert die eigenen Chancen erheblich – mit klaren Strategien für Bewerbung, Nachqualifizierung und die ersten Monate im neuen Feld.
Es gibt einige bekannte Beispiele für ungewöhnliche Karrierepfade: Pop-Ikone Nena absolvierte ursprünglich eine Ausbildung zur Goldschmiedin, Entertainerin Ina Müller arbeitete als pharmazeutisch-technische Assistentin und Scorpions-Frontmann Klaus Meine ist ausgebildeter Schaufensterdekorateur. Quereinsteigende sollen neue Sichtweisen und inspirierende Erfahrungen für Unternehmen bringen. Doch der Branchenwechsel ist auch mit Herausforderungen verbunden: Wer ohne einschlägige Facherfahrung startet, muss sich oft mit einem geringeren Einstiegsgehalt zufriedengeben und investiert deutlich mehr Zeit in die Einarbeitung.
Wie entwickelt sich der Quereinstieg in Deutschland?
Der Jobstart in einem neuen Berufsfeld ist keine Seltenheit: Bereits 41,5 Prozent der Fachkräfte in Deutschland haben im Laufe ihres Berufslebens einen Quereinstieg gewagt. Die Jobbörse für Quereinsteiger:innen quereinsteigen.de vermeldet, dass
auf deutschen Jobportalen aktuell rund 200.000 offene Stellen explizit für Quereinsteiger:innen ausgeschrieben sind. Besondern hoch ist die Nachfrage im Handel, in der Logistik und in der Pflege. Die KOFA-Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft ordnet diese Entwicklung strategisch ein: Entscheidend für den Arbeitsmarkt ist vor allem eine bessere Passung zwischen offenen Stellen und den Qualifikationen der Bewerbenden – und genau hier setzt der Quereinstieg an, indem er Kompetenzen aus anderen Feldern gezielt nutzbar macht.
Besonders gefragt sind Wechsel in Richtung Pädagogik, Pflege und IT: Die Google-Suchanfragen zu „Quereinsteiger Lehrer:in“ führen die Liste der beliebtesten Zielberufe deutlich an, mit rund 8.100 Suchanfragen pro Monat, gefolgt von Erzieher:in (3.600) und Schulbegleitung (2.900). Arbeitgeber wie DHL, REWE, ALDI und die Deutsche Bahn zählen zu den Unternehmen mit den meisten Stellenausschreibungen für Quereinsteiger:innen.
Wie offen sind Unternehmen für Quereinsteiger:innen?
Die Akzeptanz auf Arbeitgeberseite wächst spürbar. Laut dem XING Arbeitsmarktreport 2025 stimmen mittlerweile 65 Prozent der Personalverantwortlichen in deutschen Unternehmen zu, dass Quereinsteiger:innen durch ihre unterschiedlichen Erfahrungen zu Innovationen beitragen – ein Jahr zuvor waren es erst 43 Prozent. Gut ein Fünftel der Personaler:innen behandeln Bewerbende aus fremden Branchen sogar bevorzugt gegenüber klassischen Lebensläufen.
Parallel verschiebt sich der Fokus bei Einstellungsentscheidungen: Laut der Randstad-ifo-HR-Umfrage ist praktische Berufserfahrung für 32 Prozent der befragten Betriebe wichtiger geworden. Auch Soft-Skills wie Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie Selbstorganisation und Verantwortungsbewusstsein gewinnen deutlich an Gewicht. Für Menschen im Berufswechsel bedeutet das: Ein einschlägiger Abschluss verliert an Bedeutung, während übertragbare Fähigkeiten und die Bereitschaft zum Weiterlernen an Wert gewinnen. Wer diese Stärken sichtbar macht, verbessert die eigenen Chancen erheblich.
Was beim Quereinstieg wirklich zählt: fünf aktive Erfolgsfaktoren
Ein Wechsel ins neue Berufsfeld gelingt umso besser, je gezielter er vorbereitet wird. Diese Ansätze haben sich bewährt:
- Transferkompetenzen benennen. Erfahrungen aus dem bisherigen Berufsleben lassen sich fast immer übersetzen – Projektmanagement, Kundenkontakt oder Führungserfahrung zählen in jedem Feld. Eine klare Übersicht dieser übertragbaren Stärken macht die Bewerbung stark.
- Gezielt nachqualifizieren. Kurzfortbildungen, Zertifikate oder ein begleitendes Coaching schließen fachliche Lücken schnell und signalisieren Arbeitgebern wirkliches Engagement.
- Netzwerke im neuen Feld aufbauen. Der direkte Austausch mit Menschen aus der Zielbranche liefert Insiderwissen, das in keiner Stellenanzeige steht, und öffnet oft den entscheidenden Kontakt.
- Realistische Etappenziele setzen. Ein neues Berufsfeld verlangt Einarbeitungszeit. Wer diese Phase von Anfang an einplant, geht gelassener und motivierter durch die ersten Monate.
- Den eigenen Wechsel strategisch begründen. Im Bewerbungsgespräch überzeugt eine klare, positive Erzählung darüber, warum das neue Feld die logische Weiterentwicklung der eigenen Laufbahn ist – das schafft Vertrauen bei Arbeitgebern.
Fazit
Der Quereinstieg zeigt eindrucksvoll: Berufliche Veränderung ist längst zur Normalität geworden, und Unternehmen öffnen sich immer stärker dafür. Wer die eigenen Stärken kennt, gezielt nachqualifiziert und den Wechsel strategisch angeht, gewinnt echte Chancen auf ein erfüllendes neues Berufsfeld – unabhängig davon, wie die bisherige Laufbahn aussah.
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