Fachkräftemangel lindern: Strukturelle Hürden für Frauen auf dem Arbeitsmarkt effektiv abbauen

Arbeitsmarkt
Viele Frauen wollen gerne berufstätig sein, stehen aber vor großen strukturellen Hürden. Auch das trägt zum derzeitigen Fachkräftemangel bei.
Fachkräftemangel: Hürden für Frauen auf dem Arbeitsmarkt beseitigen

Der Fachkräftemangel ist ein riesiges Problem - egal in welcher Branche und unabhängig von der Größe der Unternehmen. Die offiziellen Vorschläge, dieses Problem zu beheben, lassen aber regelmäßig Zweifel aufkommen, ob die Verantwortlichen eigentlich schon im 21. Jahrhundert angekommen sind. Zum Beispiel hat kürzlich Stefan Wolf als Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall vorgeschlagen, die Rente mit 70 einzuführen. Andere fordern, zurück zu 42-Stunden-Woche zu gehen. Manche auch beides in Kombination. Die Logik dahinter: Wenn weniger Fachkräfte da sind, müssen alle eben mehr arbeiten, damit die notwendige Wirtschaftsleistung erbracht werden kann.

Rein rechnerisch stimmt das vermutlich. Allerdings vergessen die vermeintlichen Wirtschaftsweisen eine kleine, aber wichtige Tatsache: Diese Vorschläge geht an der Lebensrealität der meisten Menschen um meilenweit vorbei. Leben, um zu arbeiten - das ließ sich vielleicht noch in den 1960er Jahren durchsetzen. Und auch damals funktionierte das nur, weil die Vollzeit arbeitenden Männer zu Hause eine Ehefrau hatten, die sich um Kinder und Haushalt gekümmert hat.

 

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Auch heute ist dieses „klassische“ Modell noch Realität in vielen (heterosexuellen) Partnerschaften. Was aus verschiedenen Gründen bedauerlich ist – unter anderem, weil dem Arbeitsmarkt dadurch unzählige gut ausgebildete Fachkräfte verloren gehen.

Immer noch sind mehr Männer als Frauen berufstätig, zudem arbeiten berufstätige Frauen deutlich häufiger in Teilzeit als ihre männlichen Kollegen. Manchmal ist das gewollt, als Teil einer gut durchdachten Work-Life-Balance. Aber viele Frauen würden tatsächlich gern mehr arbeiten – oder überhaupt wieder ins Berufsleben einsteigen, allerdings stehen diesem Plan oft massive strukturelle Hürden unserer patriarchal geprägten Gesellschaft im Weg.

Zum Beispiel, weil deutsche Führungsetagen immer noch hauptsächlich mit mittelalten bis alten weißen Männern besetzt, die am liebsten ihre Doppelgänger befördern. Das heißt: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein etwas jüngerer weißer Mann den Posten als Führungskraft bekommt, ist deutlich höher als dass eine Frau befördert wird.

Wenn diese Hürden für Frauen auf dem Arbeitsmarkt schwinden, würde das nicht nur enormes wirtschaftliches Potenzial für Deutschland mobilisieren, den Fachkräftmangel lindern und die Sozialsysteme besser für die Zukunft rüsten. Sondern es würde auch zu mehr (finanzieller) Freiheit von Frauen und damit zu echter Gleichberechtigung beitragen. Ganz davon abgesehen, dass eine erfüllende berufliche Tätigkeit eine positive Wirkung auf das individuelle Selbstwertgefühl hat.

Strukturelle Hürden für Frauen auf dem Arbeitsmarkt

1. Niedriges Gehalt und kaum gesellschaftliche Wertschätzung

Aus verschiedenen, vor allem strukturellen Gründen arbeiten Frauen oft in so genannten Care-Berufen: Krankenpflege, Altenpflege, als Erzieherinnen, als Grundschullehrerinnen oder in sozialen Organisationen. Es sind wichtige Arbeitsfelder, ohne die unsere Gesellschaft nicht existieren könnte. „Systemrelevant“ wurden sie in der Pandemie genannt. Und trotzdem, so zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), werden genau diese systemrelevanten Berufe in Deutschland generell schlechter bezahlt als sehr viele andere Jobs. Und vor allem erhalten die Beschäftigten dieser Berufszweige deutlich weniger Wertschätzung durch die Gesellschaft als andere. Die Folge ist, dass diese systemrelevanten Berufe als nicht besonders attraktiv gelten und dass in diesen Feldern besonders viele Fachkräfte fehlen.

Ist es Zufall, dass vor allem Frauen diesen systemrelevanten Tätigkeiten nachgehen? Oder gar genetische Disposition? Weder noch. Es sind strukturelle Gründe in unserem patriarchalen System. Seit Jahrtausenden gelten diese Tätigkeiten als „Frauenarbeit“ und gelten daher als minderwertig, sowohl ideell als auch finanziell.

2. Das deutsche Steuersystem benachteiligt verheiratete Frauen

Das deutsche Steuersystem hält ebenfalls unangenehme Überraschungen bereit und sorgt für Frust bei vielen Ehefrauen in heterosexuellen Partnerschaften. Das Ehegattensplitting führt dazu, dass Erwerbsarbeit sich für viele Frauen überhaupt nicht oder nur in Teilzeit lohnt, quasi als kleines Taschengeld. In der Regel verdient der Ehemann mehr – zum Beispiel, weil er Vollzeit arbeitet, und zwar in einem Job, der vielleicht nicht systemrelevant ist, dafür aber vernünftig bezahlt.

Konkret bedeutet das Ehegattensplitting, bei dem Mann und Frau ihre Steuer gemeinsam veranlagen, dass Frauen mit einem Jahreseinkommen von weniger als 40.000 Euro durchschnittlich doppelt so viele Steuern zahlen wie ihre Ehemänner. In diese Verdienstklasse fällt zum einen fast jede Teilzeitstelle (die klassische Beschäftigungsart der meisten Mütter), zum anderen die Arbeit in den schlecht bezahlten Jobs der Care-Arbeit.

Für verheiratete Frauen bietet diese körperlich und psychisch anstrengende Care-Arbeit aus steuerlichen Gründen keinen relevanten finanziellen Anreiz. Hinzu kommt, dass der schmale Nettolohn einer Care-Arbeit oder einer Teilzeitstelle in anderen Branchen oft von den dann notwendigen Kita-Beiträgen aufgefressen wird. Kein Wunder, dass Lohnarbeit oft als unattraktiver angesehen wird als die Care-Arbeit für das eigene Zuhause: weniger Zeit mit dem Kind, mehr Organisationsaufwand, kaum einen Cent mehr in der Tasche. So fördert also auch unser Steuersystem den Fachkräftemangel.

Übrigens: Eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit lohnt sich auf jeden Fall mit Blick auf die Rente, auch wenn vom Brutto durch die ungünstige Steuerklasse nur wenig übrig bleibt. Diese langfristige Überlegung rückt aber leider bei vielen in den Hintergrund.

3. Geringere Aufstiegschancen für Frauen

Auch das ist ein strukturelles Problem in unser patriarchal geprägten Gesellschaft: Frauen haben nicht nur die schlechter bezahlten und weniger anerkannten Jobs, für die sie im Vergleich zu ihren Ehemännern auch noch deutlich mehr Steuern zahlen. Sondern Frauen haben auch deutlich weniger Chancen im Job aufzusteigen.

Das liegt einerseits an der Art der Berufsfelder, in denen Frauen überdurchschnittlich oft tätig sind. Die Aufstiegsmöglichkeiten an einer Grundschule oder als Arzthelferin in einer Praxis sind deutlich schwächer ausgeprägt als in einem Unternehmen mit verschiedenen Abteilungen und Teams.

Andererseits liegt es an der berüchtigten „gläsernen Decke“, die auch hervorragend ausgebildete Frauen nach einer Weile im Job erreichen. Immer noch sind Führungsriegen hauptsächlich mit mittelalten bis alten weißen Männern besetzt, die – und das liegt an der Funktionsweise des menschlichen Gehirns – am liebsten ihr Double bei der Besetzung von neuen Stellen berücksichtigen. Also: ein etwas jüngerer Mann, der die gute alte Tradition fortführt.

Frauenquoten könnten helfen, dieses Problem anzugehen. Davon sind wir aber noch weit entfernt.

4. Kinder wirken als Karrierekiller für Frauen

Und dann ist da auch noch der Klassiker: Kind und Karriere. Bei Männern geht das 1a. Vor allem, weil die meisten Männer zu Hause eine Frau haben, die sich um den Nachwuchs kümmert. Unsichtbare Care-Arbeit, die den Männern den Rücken freihält und die Stufen der Karriereleiter schnell hochklettern lässt.

Mütter tragen immer noch die Hauptlast der Erziehungsarbeit. Und wenn sie nach der Elternzeit zurückkehren wollen, sehen sie sich ganz neuen Vorurteilen gegenüber. Müttern wird tendenziell weniger zugetraut. Außerdem gehen Mütter überdurchschnittlich häufiger in Teilzeit – was wiederum dazu führt, dass Führungskräfte ihnen deutlich seltener die Verantwortung für besonders wichtige Projekte übertragen.

Und selbst wenn Mütter so arbeiten wollten wie in der Zeit vor dem Kind – die in weiten Teilen des Landes völlig unzureichende Infrastruktur bei Kitas und Schulen weiß das erfolgreich zu verhindern.

Die Folge: Mütter können ihr Erwerbspotenzial nicht ausschöpfen. Und der Fachkräftemangel steigt, denn dem Arbeitsmarkt gehen wichtiges Wissen, kreative Ideen und Mitarbeiterinnen mit wichtigen Soft Skills verloren, unter anderem Organisationstalent, Verhandlungsgeschick, Stressresistenz.

Fachkräftemangel: Warum es für uns als Gesellschaft wichtig ist, dass mehr Frauen arbeiten

Die strukturellen Hürden sind für viele Frauen so hoch, dass gar nicht mehr versuchen, dem Arbeitsmarkt all ihre komplexen Fähigkeiten, ihre Ideen und vor allem ihre Energie zur Verfügung zu stellen. Viele arbeiten nur 20 Stunden oder weniger pro Woche, oft auch in einem Minijob. Die Folgen sind ein sehr geringes Einkommen, ein hohes Armutsrisiko, eine Rente unter dem Exstenzminimum und in vielen Lebensphasen eine Abhängigkeit vom Sozialstaat.

All diese Dinge sind eine hohe psychische Belastung für die Betroffenen. Sie sind deutlich weniger zufrieden mit ihrem Leben als Menschen, die sich optimal in ihre Arbeit einbringen können, haben oft ein schlechtes Gewissen oder Schuldgefühle und sind infolgedessen auch anfälliger für Krankheiten. Somit entsteht nicht nur vielen Frauen selbst, sondern auch uns als Gesellschaft ein enormer Schaden, wenn wir nicht alles tun, um diesen potenziellen Fachkräften den Weg in den Arbeitsmarkt leichter zu machen.

(Wieder-)Einstieg in den Job: Ein Coaching kann helfen

Wir bei SEQUOYA können zwar die strukturellen Hürden für Frauen auf dem Arbeitsmarkt nicht beseitigen, aber wir sind Spezialistinnen darin, Ihre eigenen inneren Blockaden aufzulösen, die Sie daran hindern, berufstätig zu sein, obwohl Sie sich das wünschen.

Gibt es etwas, das Sie daran hindert, den Karrierepfad einzuschlagen, von dem Sie heimlich träumen? Waren Sie viele Jahre lang zu Hause, weil Sie sich um die Kinder gekümmert haben, würden jetzt gern wieder in ihren Beruf einsteigen, aber zweifeln an Ihrem Wert? Sind Sie schon lange arbeitslos und bekommen eine Absage nach der nächsten bei Bewerbungen und fragen sich warum?

Bei diesen und anderen Fragen rund um die berufliche Neuorientierung können wir mit unserem Karriere-Coaching helfen. Wenn Sie arbeitslos sind, kann unser individuelles Einzelcoaching sogar zu 100 Prozent von der Arbeitsagentur bzw. vom Jobcenter gefördert werden. Das einzige, was Sie dazu brauchen, ist ein so genannter Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS)

Wenn Sie Fragen haben zum Karriere-Coaching mit dem AVGS, melden Sie sich gern dazu bei uns. Wir unterstützen Sie nicht nur im Coaching, sondern auch im Vorfeld bei der Beantragung des AVGS.