Care-Arbeit als Karrierekiller für Frauen: 5 Ansätze, das zu ändern

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Es gibt viele Gründe, warum Care-Arbeit überwiegend von Frauen erledigt wird und eine erfüllte berufliche Karriere erschwert. Deswegen gibt es auch viele mögliche Ansätze, dieses Problem zu lösen.
Care-Arbeit: ein Staubsauger saugt glitzerndes Konfetti vom Boden

Care-Arbeit ist die systemrelevante Sorge-Arbeit, ohne die unsere Gesellschaft auseinanderbrechen würde. "Care", das heißt "Fürsorge" oder auch "sich kümmern". Aus traditionellen Gründen gelten diese Tätigkeiten in unserer patriarchal geprägten Gesellschaft immer noch als Frauen-Domäne. Auch noch im 21. Jahrhundert.

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Kinderbetreuung, Hausarbeit und andere unbezahlte Care-Arbeit in der traditionellen Familie in heterosexueller Partnerschaft landet in den meisten Fällen bei Frauen. Infolgedessen haben die meisten Frauen, insbesondere Mütter, einfach weniger Kapazitäten als Männer, um beruflich Karriere zu machen.

Das hat zum einen unmittelbare Konsequenzen, denn bei aller Liebe für die eigenen Kinder und den Rest der Familie bleibt die Selbstfürsorge meistens auf der Strecke. Daraus folgen oft Gefühle wie Überlastung, Überforderung, Selbstzweifel oder Alltagsfrust. Zum anderen sind gibt es auch Langzeitfolgen: Frauen haben ein viel höheres Risiko als Männer, später in der Altersarmut zu landen.

Die Ursachen für Care-Arbeit als Karrierekiller für Frauen sind vor allem strukturell. Es gibt aber auch einige Dinge, die Frauen und ihre Familien selbst tun können, um mehr Geschlechtergerechtigkeit im Alltag zu leben.

Was ist Care-Arbeit?

Care-Arbeit ist der Oberbegriff für die bezahlte und unbezahlte Fürsorgearbeit für andere. Sie ist überlebenswichtig – für die Menschen, um die sich gekümmert wird, aber auch für uns als Gesellschaft.

Zur Care-Arbeit gehört zum Beispiel Kinderbetreuung, sich um Arzttermine kümmern, auf Elternabende gehen, im Winter die Schneeanzüge aus dem Keller holen und prüfen, ob sie noch passen, Schulhefte einkaufen, die Badewanne putzen, Hausaufgabenhilfe, wöchentliche Essensplanung, den Ablauf von Weihnachten planen und alle informieren, im Blick haben, ob noch Spülmaschinentabs im Haus sind,… ach, und dann auch noch die Sorgearbeit für alte und pflegebedürftige Familienmitglieder.

Der großarige Comic „You should’ve asked“ zeigt sehr eindrücklich, was alles zur unsichtbaren Care-Arbeit dazu gehört. Und erklärt, warum Männer im eigenen Haushalt nicht „helfen“ sollen, sondern Verantwortung übernehmen.

Was ist der Gender Care Gap?

Kurze Frage: Wer ist eigentlich bei Ihnen im Haushalt oder in der WG hauptsächlich verantwortlich dafür, dass alles einigermaßen organisiert abläuft? Seien Sie ehrlich!

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es eine Frau ist. Vor allem in heterosexuellen Partnerschaften mit kleinen Kindern.

„Frauen kümmern sich viel mehr als Männer um den Haushalt“ – um diese gefühlte Wahrheit mit Zahlen zu untermauern, hat die Bundesregierung in ihrem Zweiten Gleichstellungsbericht den „Gender Care Gap“ entwickelt. Dieser Indikator zeigt den unterschiedlichen Zeitaufwand, den Frauen und Männer für unbezahlte Sorgearbeit aufbringen. Andere Geschlechter sind in dieser Erhebung nicht berücksichtigt.

Im Durchschnitt verbringen Frauen 52,4 Prozent mehr Zeit mit unbezahlter Care-Arbeit als Männer. Dieser Wert gilt für alle Haushalte und schließt auch Alleinlebende und Paare ohne Kinder ein.

Die größten Unterschiede beim Gender Care Gap zeigen sich bei 34-Jährigen: In dieser Altersgruppe beträgt der Gender Care Gap 110,6 Prozent. Das heißt: Die Frauen verbringen täglich mehr als doppelt so viel Zeit mit Care-Arbeit als Männer (fast fünfeinhalb Stunden pro Tag für Frauen, Männer hingegen nur zweieinhalb Stunden täglich).

Mit Mitte 30 ist der Gender Care Gap also besonders hoch – das ist die Phase, in der viele Paare kleine Kinder haben, die Fürsorge brauchen. Und gleichzeitig ist es traditionell die „Rush Hour“ im Berufsleben, in der wichtige Weichen für die Zukunft gestellt werden – und in der viele Männer häufig die Karriereleiter hochklettern und besser qualifizierte Frauen dabei hinter sich lassen. Kein Wunder, denn die halten gerade die Gesellschaft am Laufen.

Mehrbelastung von Müttern durch Care-Arbeit hat strukturelle Gründe

Strukturelle Missstände in Familienfragen führen zur Mehrbelastung von Familien, sprich: meist von Frauen. Das fängt beim Hebammen-Mangel im Kreißssaal an, geht bei fehlenden Kitaplätzen weiter, die Berufstätige in ein Betreuungsdilemma bringen, und hört beim Pflegenotstand für alte und schwache Menschen längst nicht auf.

Wer sich mal so richtig in die absurde Seite dieses Problems vertiefen will: Die Komikerin Carolin Kebekus geht in einer ihrer Shows von Oktober 2022 der Frage nach: „Hasst Deutschland eigentlich Kinder?“ Ihr Ergebnis: „Hell, yes!!!“ Spoiler Alert: Sie macht das zusammen mit Kindern. Sehenswert!

Zu wenig Kita-Plätze

Aus den Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung für das aktuelle Ländermonitoring „Frühkindliche Bildungssysteme“ geht etwa hervor, dass im Jahr 2023 bundesweit rund 384.000 Kita-Plätze fehlen werden, auch, weil es hierfür an Fachkräften mangelt.

Was nützt der Anspruch auf einen Kita-Platz, wenn es einfach keinen gibt? Und wer kümmert sich notgedrungen dann um den Nachwuchs? Richtig: meistens die Mütter.

Corona-Nachwirkungen von Schulkindern auffangen

Schulplätze sind zwar garantiert – aber wie gestaltet sich der Schulalltag vom Schulweg bis hin zur Unterrichtsqualität? Im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) untersucht das Institut für Qualitätsentwicklung (IQB) seit 2011, inwieweit Grundschüler:innen die Bildungsstandards in Deutschand erreichen.

Vor allem seit der Corona-Krise ist bundesweit ein Abwärtstrend zu erkennen, im aktuellen Bericht, der im Oktober 2022 vorgestellt wurde, ist die Rede von einem „besorgniserregenden Bild“. Eltern müssen immer noch viel auffangen von dem, was die Pandemiejahre kaputt gemacht haben, vor allem das verlorene Selbstvertrauen und das Vertrauen in die Welt. Auch die Freude am Lernen ist vielen Kindern abhandengekommen. Dadurch dauert es viel länger, ein Kind bei den Hausaufgaben zu begleiten und braucht mehr Energie.

Hausaufgabenbetreuung und gleichzeitig Führungskraft zwischen Homeoffice und CEO-Meeting? Mental Overload ist zwangsläufig vorprogrammiert. Kein Wunder also, dass Frauen mit Familienwunsch diese Doppel- und Dreifachbelastungen scheuen und sich im Zweifel eher für die Familie als für die Führungsposition entscheiden.

Care-Berufe werden schlechter bezahlt

Frauen kümmern sich also – privat, aber auch im Job. Denn es gibt ja tatsächlich auch bezahlte Care-Arbeit: Kinderbetreuung, Kindererziehung, Krankenpflege, putzen, Seniorenbetreuung, Sozialarbeit… Nicht nur die unbezahlte Fürsorge, auch bezahlte Care-Berufe werden überdurchschnittlich häufig von Frauen ausgeübt, oft auch in Teilzeit. Diese sind zwar systemrelevant, aber Care-Berufe sind deutlich schlechter bezahlt als viele andere. Hinzu kommt: Aufstiegsschancen oder andere Möglichkeiten zur Karriereentwicklung sind schlechter ausgeprägt als in anderen Branchen.

Männer dagegen sind – auch als Väter – nach wie vor meist Vollzeit tätig, sie unterbrechen ihre Berufsbiografien weniger häufig. Beide Faktoren führen zu einem stark ausgeprägten Gender Pay Gap: Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich 21% weniger als Männer.

5 Ansätze zur Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Karriere

Es gibt viele Gründe, warum Care-Arbeit nach wie vor überwiegend von Frauen erledigt wird und eine erfüllte berufliche Karriere erschwert. Das Gute daran: Deswegen gibt es auch viele mögliche Ansätze, dieses Problem zu lösen.

1. Paare: Offener Austausch zur Aufgabenverteilung im Alltag

Termin beim Kieferorthopäden vereinbaren, Wasserkocher entkalken, Müllbeutel kaufen,… „Wenn ich’s nicht mache, macht es keiner!“ – diesen Gedanken kennen vor allem Mütter. Bis zu einem gewissen Grad ist „sich kümmern“ natürlich unzertrennbar verbunden mit dem Mutter-Sein. Aber wenn der Kopf von all den Aufgaben zu platzen droht, ist es Zeit zu reden.

Selbst in Familien, in denen grundsätzlich Einigkeit darüber herrscht, dass der gemeinsame Alltag am besten auf vier Schultern lasten sollte, ist der sogenannte Mental Load meistens ungerecht verteilt – in der Regel zu Lasten der Frauen und Mütter.

Unser Tipp: Setzen Sie sich als Paar zusammen und listen Sie auf, wer welche Tätigkeiten im Familienalltag übernimmt. Schreiben Sie unbedingt auch die unsichtbaren, versteckten Aufgaben auf, die nur im Kopf stattfinden („Backzutaten checken, ob alles für Zimtsterne da ist“), denn das sind oft die größten mentalen Energiefresser.

Dann verteilen Sie die Aufgaben neu – und zwar alle Aufgaben, auch die bisher unsichtbaren. Eine großartige Anleitung, um Aufgaben wirklich gleichberechtigt zu verteilen und ganz viele Infos zum Thema Mental Load gibt es bei der Bloggerin Patricia Cammarata.

2. Frauen: Bildet Banden!

Obwohl Frauen oft über eine hohe Sozialkompetenz verfügen und hervorragend kommunizieren können, sind sie in der Berufswelt meistens schlechter vernetzt als Männer. Männer können in unseren patriarchalen Strukturen oft auf sogenannte Old Boys Networks zurückgreifen, um den nächsten Schritt in ihrer Karriere zu gehen.

Unser Tipp: Suchen Sie sich eine Gruppe von gleichgesinnten Frauen! Das kann ein Karriere-Netzwerk für Frauen Ihrer Branche sein, ein Mentoring-Programm oder vielleicht eine sogenannte Mastermind-Gruppe. Online oder offline – Hauptsache, es hilft Ihnen dabei, sich nicht allein zu fühlen, offen über berufliche Fragen zu sprechen und auch mal (Alltags-)Frust über den Familienwahnsinn abzulassen. Der Austausch mit anderen hilft auch oft dabei, sich über eigene Stärken und Kompetenzen bewusst zu werden.

Wenn Sie in Ihrer Umgebung kein passendes Netzwerk finden: gründen Sie eins! Das kann auch ein regelmäßiges Lunch-Date mit Kolleginnen sein.

3. Frauen: Traut euch, die eigene Karriere aktiv zu gestalten!

Wenn Sie sich beruflich weiterentwickeln möchten, sollten Sie die Richtung kennen. Das heißt, Sie brauchen Klarheit über die Ziele, die Sie erreichen wollen. Was ist Ihre Vision, welche Schritte bringen Sie dahin? Und wie können Sie das realisieren – MIT den Kindern, MIT einer liebevollen Partnerschaft, MIT pflegebedürftigen Eltern? Wenn Sie wissen, was Sie wollen, kommt das „Wie“ fast von allein.

Und dann: Werden Sie sichtbar mit Ihrer Mission. Werfen Sie Ihre Bescheidenheit über Bord und erzählen der Welt, dass Sie große Pläne haben. Zeigen Sie, welche Persönlichkeit und welche Expertise in Ihnen schlummert, und zwar über den Kanal, mit dem Sie sich am wohlsten fühlen. Starten Sie einen Blog, kommentieren Sie Beiträge in Social Media, bieten Sie Ihr Exptert:innenwissen in einem Podcast an oder produzieren Sie selbst einen. Erzählen Sie Ihrer Führungskraft von Ihren beruflichen Ambitionen und bringen Sie dort den Wunsch an, mehr Verantwortung zu übernehmen. Sichtbarkeit ist online und offline möglich.

Auch viele kleine Schritte führen zum Ziel: Sprechen Sie sich z. B. vor Meetings mit Kolleginnen ab, wie Sie sich während der Sitzung gegenseitig unterstützen

Unser Tipp: Lassen Sie sich dabei mit einem Karriere-Coaching begleiten. Der Austausch mit einem oder einer Coach ist für dieses Vorhaben eine wertvolle Hilfe. Sowohl, um Klarheit über die eigenen beruflichen Ziele zu gewinnen. Als auch, um sich über die eigenen Stärken und Kompetenzen bewusst zu werden und um blockierende Glaubenssätze loszuwerden.

4. Unternehmen: Etwas flexibler, bitte!

Unternehmen, die wirklich familienfreundlich sein wollen, sollten sich zu echter Flexibilität verpflichten. Nicht nur, was die Arbeitszeiten und den Arbeitsort von den Mitarbeitenden angeht. Sondern es sollte auch ein einfacher Wechsel zwischen Teilzeit- und Vollzeit-Stellen möglich sein, so dass Menschen ihre Arbeitszeit einfach an eine neue Lebensphase anpassen können.

Klingt jetzt ein bisschen viel verlangt? Ja, es erfordert ein Umdenken, Mitarbeitende als ganzen Menschen und nicht nur als Arbeitskraft zu sehen. Aber gute Fachkräfte sind rar, und solche kreativen Lösungen für einen familienfreundlichen Alltag anzubieten, wirkt wie ein Magnet – wer da ist bleibt. Und andere wollen dazu kommen. Ach, und eine gerechte Gehaltsstruktur gehört natürlich auch dazu – gleicher Lohn für gleiche Arbeit, unabhängig vom Geschlecht.

5. Gesellschaft und Politik: (Selbst-)Verpflichtung zu mehr Diversität

Gemischte Management-Teams sind erfolgreicher als rein männliche. Das ist keine Sozialromantik, sondern das ist mit knallharten wirtschaftlichen Fakten bewiesen. Mehr Frauen in Führungsteams bringen eine andere Atmosphäre in Unternehmen – und meistens eine viel stärkere Achtsamkeit für das Leben neben der Arbeit: Kinder mit Liebeskummer, pflegebedürftige Eltern, der Großeinkauf vor Familienfeiern. Wenn die Chefin selbst Familie hat, gehören plötzlich Termine nach 17 Uhr der Vergangenheit an, ebenso wie nörgelnde Nebenbemerkungen über das schwache Immunsystem von Kindern.

Es gibt schon viele verschiedene Ansätze, Führungsetagen diverser zu gestalten. Unser Eindruck: Mit Selbstverpflichtung hat es bis jetzt nicht geklappt. Vielleicht könnte eine eine gesetzlich Frauen- oder Diversity-Quote helfen. Da ist die Politik gefragt.

Unsere Angebote speziell für Frauen

Ob Sie Jobeinsteigerin, berufstätige Mutter, Akademikerin in der Orientierungsphase oder erfahrene Führungskraft sind – für Frauen, die ihre Karriere gestalten wollen, bietet SEQUOYA gleich mehrere speziell zugeschnittene Programme:

Es kann nicht nur eine geben. Deshalb setzen wir uns gegenseitig die Krone auf! Das Programm von Frauen für Frauen – und nur mit Frauen. Es bestärkt Sie, Ihren eigenen Weg zur erfüllenden und erfolgreichen Karriere zu gehen.

Mums@Work. Diese Herausforderung meistern wir gemeinsam! Maßgeschneidertes Programm für Mütter, die ihren (Wieder-) Einstieg in den Job oder den Schritt in die Selbstständigkeit planen.