Jammern oder durchpowern? Tipps für einen guten Umgang mit Traurigkeit im Arbeitsleben

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Abschied, Melancholie, Trauer – wie gehen Sie damit im Berufsleben um? Zeigen Sie, wenn Sie traurig sind? Oder verstecken Sie lieber, wenn Ihnen etwas zu schaffen macht, weil Sie nicht als Jammerlappen dastehen wollen?
Ein Herbstblatt liegt in einer Pffütze: Umgang mit Trauer und Melancholie im Berufsleben

Der November-Blues ist da. Kennen Sie das auch, dass dieser Monat einen so richtig runterziehen kann? Draußen wird es jetzt so richtig ungemütlich, die Sonne lässt sich selten blicken, Wind und Regen lassen uns in den Straßen den Kopf einziehen. In der Welt ist es auch gerade ziemlich ungemütlich, egal ob politisch, klimatisch oder wirtschaftlich betrachtet. All das kann einem schon mal die Laune vermiesen.

Dazu kommt, dass zum Jahresende häufig viele Abschiede im Berufsleben anstehen - eine Kollegin wechselt zum nächsten Jahr den Job, das schöne Projekt geht zu Ende und vielleicht ist da auch der Abschied von der Idee, von der wir dachten, sie dieses Jahr aber wirklich umzusetzen.

Abschied, Melancholie, Trauer - wie gehen Sie damit im Berufsleben um? Wir haben da ein paar Ideen.

 

Inhalt

Schlechte Nachrichten im Job: sich aufraffen oder jammern?

Das nahende Jahresende bringt nicht immer nur Freude mit sich. Vielleicht enthält die ganz persönliche Jahresbilanz einige frustrierende Erkenntnisse: Wieder mal nicht alles geschafft, was wir uns vorgenommen haben. Ein wichtiges Projekt ist nicht so gelaufen, wie es geplant war. Die Umsatzzahlen liegen unter Vorjahresniveau. Außerdem hat auch noch ein lieber Kollege das Team verlassen und die Lücke ist groß, nicht nur fachlich gesehen.

Und in dieser Stimmung poppt die Motivationsmail der Bereichsleitung auf. Sprühend vor Positivität, mit verdientem Lob für die Erfolge in diesem Jahr. Und der Ermunterung, in den letzten Wochen des Jahres bis zur Weihnachtspause nochmal richtig Gas zu geben.

Echt jetzt? Ach, was soll’s, denken Sie sich vielleicht. Jammern bringt ja nix. Jetzt bloß keine schlechte Laune verbreiten, sondern aufraffen, Krönchen zurechtrücken und gut gelaunt weitermachen.

STOP! Genau in diesem Moment ist es ratsam, innezuhalten. Warum die Tränen hinunterschlucken, wenn uns zum Heulen zumute ist? Und wenn Sie jetzt Angst haben, als gefühlsduselige Heulsuse oder labiler Loser belächelt zu werden, lesen Sie gerne weiter.

Trauer gehört zu Veränderungsprozessen und fördert die Persönlichkeitsentwicklung

Das Gefühl der Traurigkeit kennen wir alle. Authentizität ist gerade sehr en vogue – und trotzdem fühlen sich nur die wenigsten wohl dabei, am Arbeitsplatz offen zu zeigen, dass sie traurig sind.

Warum eigentlich? Warum gestehen wir es uns selbst und anderen nicht ein, wenn wir uns gekränkt fühlen oder frustriert sind und lassen uns noch eher von toxischer Positivität anstecken, die uns umgibt?

Das beschäftigt auch den Unternehmer und Publizisten Tim Leberecht. Mit seinem gleichnamigen Artikel in der Zeitschrift managerSeminare macht er „Mut zur Melancholie“. Natürlich können wir uns nicht permanent als schmollender Trauerkloß in die hinterste Ecke verkriechen. Es ist unumgänglich, nach vorne zu sehen, sich zu engagieren, angemessen zu agieren. Ganz genauso wichtig sind allerdings auch Phasen, in denen wir uns besinnen, sagt Leberecht. Wir brauchen nachdenkliche Menschen, die Melancholie zulassen und nicht nur jene, die mit emotionalen Scheuklappen das „Höher-Schneller-Weiter“-Prinzip beschreien.

Ob es nun andere Menschen sind, von denen wir uns verabschieden müssen, gute Ideen oder abgeschlossene Projekte: Trauer gehört zum Alltag. Sie ist mit von der Partie, wenn etwas zu Ende geht, wenn Veränderung passiert. Wir müssen uns lösen und loslassen können. Das trägt zu unserer persönlichen Entwicklung bei.

Ein Umstand, den Organisationen nicht nur akzeptieren, sondern gezielt fördern sollten, so Leberecht, der auch Mitgründer und CEO des Think Tanks House of Beautiful Business ist: „Eine wirkliche menschliche Organisation ist nicht eine, die ihre Mitarbeitenden ständig glücklich macht, sondern eine, die ihnen erlaubt, auch traurig zu sein.“

Die menschliche Organisation: Wie Sie emotionale Offenheit fördern können

Es gibt viele kreative Möglichkeiten für Organisationen, die emotionale Offenheit zu fördern: Eine Minute Schweigen zu Beginn eines Meetings, um sich zu sammeln. Sogenannte Fuck up Nights, um eine Fehlerkultur zu fördern und gemeinsam zu feiern, was schiefgegangen ist. Oder Methoden aus dem Impro-Theater, um Konflikte zu lösen.

Es muss auch nicht die ganz große Bühne sein. Wir können für uns selbst oder unser Team auch einfache, kleine Rituale einführen, die unangenehmen Gefühlen wie Traurigkeit Raum geben. Wie möchten Sie sich von ausscheidenden Mitarbeiter*innen würdevoll verabschieden? Wie gehen Sie mit missglückten Projekten um oder Ideen, die Sie nicht weiterverfolgen? Wenn Sie Sie Trauer aktiv und kreativ kanalisieren, dann schaffen Sie Raum und Bereitschaft für Neubeginn.

Ben & Jerrys zum Beispiel hat einen Friedhof für Eissorten eingerichtet, die die Firma vom Markt genommen hat. So aufwändig muss es gar nicht sein: Schreiben Sie Ideen, die nicht angekommen sind, auf einen Zettel, verbrennen Sie sie zusammen mit Herbstlaub oder aber bewahren Sie sie in einem Kästchen auf. Vielleicht feiern Sie im nächsten Frühjahr sogar eine Wiedergeburt.

Loslassen als Voraussetzung für den Neubeginn

Bevor Sie innerlich bereit sind, etwas Neues anzufangen, braucht ihre Seele einen Abschuss für das Vergangene. Das gilt auch im Berufsleben. Es ist oft nicht so leicht, etwas loszulassen, das lange zum Leben gehört hat. Das kann ein tatsächlicher Job sein, der jetzt nicht mehr da ist. Oder auch der Traum von etwas – der Traum davon, wie das Leben eigentlich sein sollte, welche Abschlüsse eigentlich zum Lebenslauf gehören sollten, welcher Karriereschritt schon längst hätte passiert sein sollen.

Hätte, könnte, sollte… Mit der Begleitung von Ablösungsprozessen in Coachings kennen wir uns gut aus. Klicken Sie auf den Button, wenn wir Sie dabei unterstützen können, etwas loszulassen, damit etwas Neues beginnen kann.